Jazz Moves Hamburg

Überjazz Festival 2026

Im November lädt Kampnagel zu einer neuen Edition des Festivals ein.

Rubrik

Konzerttipp

Veröffentlicht

27.10.26

Autor:in

Rainer Szimm

Vom 19. November bis zum 21. November treten zehn Bands aus den Bereichen Jazz, Soul, Ambient und HipHop auf.

Vielfalt statt Einfalt, Gemeinsinn gegen Engstrinigkeit

Wenn die Pfützen auch knöcheltief sind, der Nebel sich kaum noch auflöst und die Tage fast nahtlos in die Hamburger Nacht übergehen, ist dies kein Grund Trübsal zu blasen. Denn es warten drei Tage des Frohlockens, Musik und Tanz in der ehemaligen Maschinenfabrik Kampnagel in Winterhude: Vom 19. November bis zum 21. November wartet das Überjazz Festival erneut mit einem genresprengenden Line-up auf. Vielleicht ein wenig in Anlehnung an den Leitspruch des US-Jazzgitarristen James „Blood“ Ulmer: Jazz is the Teacher, Ambient, Soul und HipHop is the Preacher. Los geht es jeden Abend um 19 Uhr in der großen Halle k6.

Vielfalt statt Einfalt, Gemeinsinn gegen Engstirnigkeit und die pure Freude an den Darbietungen phantastischer Künstler*innen aus aller Welt ist seit 2010 die Erfolgsformel für das Überjazz Festival. Unvergessen: die Auftritte des englischen Saxofonisten Alabaster DePlume, der australischen Neo-Soul- und Jazzvirtuosen Hiatus Kaiyote oder des US-Sängers José James vergangener Überjazz-Ausgaben. Auch diesmal erschaffen die Festival-Macher*innen eine Art musikalisches Gondwana, das von Berlin, den Niederlanden, über Rio bis nach Tokio reicht.

..., den vergangenen Hitze-Sommer wenigstens noch einmal spürbar machen.

Während die Konzerte vergangener Jahre in vier Kampnagel-Hallen zu sehen waren, finden die Auftritte dieses Jahr wegen Sanierungsarbeiten alle in der Halle k6 statt. Den Anfang macht am Donnerstag die fünfköpfige Band Move 78 aus Berlin, die HipHop-Beats mit Jazzimprovisationen zu einem ganz eigenen Klangkosmos verschmelzen. Mit dabei ist die aus Angola stammende Sängerin Monica Mussungo. Am selben Abend können die Zuschauer*innen Zeugen des Feldversuchs des Hybrid-Jazz-Projekts Oraculu des sardischen Musikers Two Thou werden. Sounds von Drum-Maschinen, Synthesizern, Bläsern und Stimmen sollen hierbei zu neuer Musik zwischen Meditation und Euphorie führen.

Jazz als Wurzel mit all seinen Verästelungen wird auch am Freitag den Dancefloor erbeben lassen. Den Anfang macht die Jazz- und HipHop-Band Radiohop aus Amsterdam, die die Grenzen zwischen Groove und Improvisation ausloten wird.  Boogie, Synth-Funk und Disco sind die Zutaten des niederländischen Funk-Kollektivs Another Taste für einen schweißtreibenden Abend. Ebenfalls dem Groove zugetan sind die aus Rio stammende Sängerin Luiza Monteiro und der deutsche Producer Dustin Brown: Curió Curió schaffen es mit ihrem Amalgam aus Psychedelic, Disco und den warmen Klängen der 1970er-Música Popular Brasileira, den vergangenen Hitze-Sommer wenigstens noch einmal spürbar zu machen. Der Berliner Rapper JuJu Rogers verschiebt dann mit seinem Mix aus Funk, Afropunk, Soul und Rock musikalische Grenzen: Sein jüngster Albumtitel „Pink Guitars, Spaceships N Voodoo Dolls“ bringt das ganz gut auf den Punkt.

Die wärmende, herbstliche Funktionsjacke ist auch am Samstag nicht nötig. Dafür verantwortlich ist hierfür das aufregende neue Quartett al.so um den Berliner Fusion-Musiker und Keyboarder Moses Yoofee. Zusammen mit der Harfenistin Miriam Adefris, dem Synthesizer-Experten Robert Henriques und dem Saxofonisten Marius Max wird Yoofee auf dem Überjazz ihre Debüt-EP „portunes“ vorstellen. Zwei Kalifornier standen seit 2018 auf dem Wunschzettel der Überjazz-Organisatoren. Jetzt wird er wahr: Bassist Sam Wilkes und Saxofonist Sam Gendel kennen sich von verschiedenen Projekten her und haben zuletzt gemeinsam 2024 das Album „The Doober“ veröffentlicht, das einige jazzige Coverversionen enthält und insgesamt eine friedliche und entspannte Atmosphäre verströmt. Die musikalische Reise führt dann weiter bis nach Japan. Der Flötist Sinsuke Fujieda, der auf dem Überjazz mit seiner sechsköpfigen Band zum ersten Mal live in Europa auftreten wird, vermengt ostasiatische Sounds mit Klassikelementen und garniert diese mit dem atmosphärischen Modal und Spiritual-Jazz-Sound der 1970er-Jahre. Den Festival-Samstag eröffnen wird der bayerische Drummer und Komponist Simon Popp mit einem Soloset. Popp, der solo, als auch in diversen Kollaborationen mit anderen Musiker*innen wirkte, agiert an der Nahtstelle von Ambient, Jazz und Elektronik und begeistert durch sein filigranes Schlagzeugspiel.

Dieses Potpourri von musikalischen Strömungen lädt also förmlich zu einem Besuch auf Kampnagel ein. Es gibt verschiedene Ticket-Optionen: Ermäßigte Donnerstag-Eintrittskarten für 34,60 Euro, über gestaffelte Tagestickets bis hin zum 3-Tages-Kombiticket für 128 Euro. Let’s Groove! Jazz ist ähnlich farbenfroh wie der Malachit-Eisvogel. Das Überjazz-Festival lädt herzlich zur Überprüfung ein.

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