Miles Davis in Hamburg - Würdigung eines Jazz-Giganten
Mit einer Reihe von Veranstaltungen in Hamburg wird die Jazz-Ikone geehrt.
Rubrik
Feature
Veröffentlicht
15.04.26Autor:in
Rainer Szimm
In den kommenden Tagen und Wochen wird der Trompeter und Jazz-Visionär Miles Davis in Hamburg gewürdigt, der in seiner Karriere den Jazz immer wieder neu erfand.
Der US-amerikanische Trompeter Miles Davis war einer der einflussreichsten Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts. Der Jazz-Revolutionär, der in seinem Musikerleben immer wieder neue Stilrichtungen erfand oder maßgeblich prägte, war zweifellos ein „Picasso des Jazz“, wie ihn Musikerkollegen oder Politiker nannten. Von Bebop, Cool Jazz, modalem Jazz bis hin zu Fusion überwand der „Zauberer“, wie ihn Herbie Hancock einmal nannte, immer wieder Genregrenzen und wagte sich in bis dato unbekannte Fahrwasser vor.
Der Impulsgeber und Bandleader umgab sich im Laufe der Jahrzehnte mit anderen talentierten Musiker*innen, die er förderte und forderte, aber auch teilweise durch sein Bühnengebaren Publikum und Mitmusiker*innen irritierte. Unzählige Bücher und Aufsätze sind über dieses „widersprüchliche Genie“ veröffentlicht worden, zuletzt erschien im Reclam-Verlag die kenntnisreiche Biografie „Miles Davis. Sound eines Lebens“ des Hamburger Kulturjournalisten Stefan Hentz.
Apropos Hamburg. Nicht nur, dass Autor Hentz sein Buch mit einem Konzert des Jazz-Magiers in der Staatsoper im November 1985 beginnt, sondern Davis war in seiner Jahrzehnte währenden Karriere immer wieder in wechselnden Besetzungen zu Gast in der Hansestadt. 1956 wohl zum ersten Mal. Damals mit Lester Young am Saxofon, mit Bud Powell am Klavier sowie dem René Urtreger Trio, wurden Stücke wie „Tune Up“ und der Gershwin-Song „Oh, Lady Be Good!“ gespielt.
Vier Jahre später folgte ein Gig in der Musikhalle in Quintett-Besetzung. Dann folgte eine längere Durststrecke bis 1982. Aber besonders in den letzten sechs Jahren seines Lebens war er mehrfach in Hamburg. 1985 in der ausverkauften Staatsoper, wo er in einem futuristischen Glitzeroutfit über die Bühne glitt und Tracks wie „One Phone Call“, „Speak“, aber auch Coverversionen wie „Human Nature“ von Michael Jackson und Cyndi Laupers „Time After Time“ erklangen. Lieder, mit denen der Wandlungsfähige den heutigen Journalisten Hentz „am Haken“ hatte. 1986 und 1987 folgten dann zwei Konzerte in der Fabrik, auch diesmal standen Cover-Versionen im Fokus, darunter „Perfect Way“ der britischen Band Scritti Politti. Aber auch „Splatch“ und „Tutu“ vom gleichnamigen, synthesizer-lastigen Erfolgsalbum aus dem Jahr 1986.
Im Juli 1990 trat er dann mit seiner Band vor 2500 Zuschauer*innen vor der Kunsthalle auf, um, drei Monate vor seinem Tod mit 65 Jahren, im September 1991, in der Messehalle 4 noch einmal das Publikum zu fesseln.
Also gibt es genug Gründe, anlässlich seines 100. Geburtstags am 26. Mai den Ausnahmevirtuosen noch einmal und besonders in Hamburg zu würdigen.
Am Freitag, dem 17. April, können Miles-Fans und Neugierige ins Metropolis-Kino zum Miles Davis-Jazzfilmtag kommen. Ab 17 Uhr geht es mit dem US-Film „Miles Ahead“ mit Don Cheadle und Ewan McGregor los. Den Abschluss macht dann ein DJ-Set ab 0 Uhr in der Kinobar. Das gesamte Programm dieses cineastischen Leckerbissen könnt Ihr in der untenstehenden Link-Box abrufen. Auch in der Elbphilharmonie wird dem Trendsetter und der Stilikone mit der Reihe „Miles 100“ gehuldigt. Leider sind die meisten Veranstaltungen schon ausverkauft. Allein für das Konzert „Bobby Previte reimagines Bitches Brew“ gibt es noch Karten zu erwerben (Stand: 14. April 26). Wer unbedingt bei einem der anderen Konzerte dabei sein will, muss auf zurückgegebene Karten an der Abendkasse hoffen.
Um sich seinem Lebenswerk anzunähern, besteht aber anderen Ortes genug Gelegenheit: Vom 1. bis zum 6. Mai, im Elbphilharmonie Kaispeicher, im 5. Stock. In der Pop-up-Bar werden alle Alben von Davis gespielt. Ein Marathon mit gut 50 Stunden Musik. Von „Kind Of Blue“ bis „Tutu“ werden die Meilensteine seines imposanten Werdegangs gespielt. Der Eintritt ist frei. Die Informationen zum Einlass und zum Programm dieses Events findet Ihr ebenfalls in der Link-Sammlung.
Auch die JazzHall feiert den „einflussreichsten Jazzmusiker der Geschichte“ am 18. April ab 19:30 Uhr. Stefan Hentz wird sein Buch vorstellen und das Dirk Achim Dhonau Quartett mit Anna-Lena Schnabel wird den Abend musikalisch begleiten.
Mit dem abwechslungsreichen Programm der nächsten Monate würdigt Hamburg auf imposante Art und Weise noch einmal die Naturgewalt des Jazz und den Menschen Miles Davis, der mit seiner Kunst Millionen Menschen in den Bann zog und bis heute elektrisiert.