Nachruf auf Thorsten Benkenstein
Der langjährige Lead-Trompeter der NDR Bigband ist im März verstorben.
Rubrik
Szene
Veröffentlicht
31.03.26Autor:in
Heinrich Oehmsen
Am 15. März 2026 verstarb überraschend der Lead-Trompeter der NDR Bigband im Alter von 57 Jahren. Thorsten Benkenstein war seit 2005 Teil des Ensembles. Der klassisch ausgebildete Musiker war ein Teamplayer durch und durch und die kraftvolle erste Stimme. Er gab seinen Kollegen den nötigen Rückhalt und war mitverantwortlich für den schönen und präzisen Ton, der die Trompetengruppe beim NDR auszeichnet.
Sein erstes Instrument war die Posaune. Aber schon als Schüler wechselte Thorsten Benkenstein zur Trompete. Der 1968 in Bremen geborene Teenager wollte gerne Profimusiker werden, doch er glaubte, dass er das mit Jazzmusik nicht schaffen würde. Denn bereits als 17-Jähriger bekam er Unterricht in Hamburg von Bob Lanese, einem Amerikaner, der in der Band von James Last spielte und als Lehrer eine Koryphäe war. Benkenstein musizierte in der Band von Lanese, doch zum Studieren ging er nach Köln. Klassische Trompete sollte ihm den Weg ins Profitum öffnen. Die Stunden bei Lanese gab er allerdings nicht auf, der Jazz lag ihm doch näher als klassische Kompositionen. Als 19-Jähriger holte Peter Herbolzheimer ihn in sein Bundesjazzorchester. Und das ohne Vorspiel. Benkenstein hatte bereits einen Ruf und wurde ohne Audition angeheuert. Später half er in verschiedenen Radio-Bigbands aus, musizierte mit Count Basies Trompeter Al Porcino und anderen Ensembles. 1993 wurde er Mitglied des Vienna Art Orchestra, damals eines der angesagtesten und besten Großensembles im europäischen Jazz. Benkenstein war gerade 25 Jahre alt. Der Sprung ins Profilager war ihm endgültig gelungen. Mit Jazz.
Benkenstein konnte mit einem mächtigen Ton spielen, doch er war kein Musiker für das Rampenlicht und für die großen solistischen Alleingänge vorne am Bühnenrand. Er verstand sich in erster Linie als Teamplayer.
Zur gleichen Zeit begann er, auch mit Bob Brookmeyer zu arbeiten. Der amerikanische Posaunist und Arrangeur war Ende der 80er-Jahre nach Europa gekommen, um hier zu spielen und zu komponieren. Über ihn sagt Benkenstein: „Ich bin dankbar, dass ich früh mit so guten Leuten zusammen Musik machen durfte. Gerade Brookmeyer war wahnsinnig genau, diszipliniert, wusste, wie er seine Musik gespielt haben wollte. Geprobt haben wir acht Stunden täglich, er hat beständig über das richtige Phrasing doziert. Da konnte man unendlich viel lernen – und hat den gleichen Fehler besser kein zweites Mal gemacht.“
2005 war in der NDR Bigband die Stelle des Lead-Trompeters frei geworden. Benkenstein bewarb sich und bekam den Zuschlag. Zwölf Jahre lang auf der ganzen Welt mit dem Vienna Art Orchestra und anderen Jazzorchestern gespielt zu haben, bedeutete eine Menge persönliches Renommee. Benkenstein hat unter anderem jahrelang Udo Jürgens als Mitglied des Pepe Lienhard Orchesters begleitet, eine durchaus anstrengende Arbeit. Bis zu 165 Konzerte innerhalb eines halben Jahres gab der österreichische Sänger während seiner Tourneen.
Bei der NDR Bigband zeigte sich Benkensteins Qualität als Teamplayer. Er war die kraftvolle erste Stimme und gab seinen Kollegen den nötigen Rückhalt und war mitverantwortlich für den schönen und präzisen Ton, der die Trompetengruppe beim NDR auszeichnet, und der unter der jahrelangen Leitung des Norwegers Geir Lysne noch perfekter geworden war. Wichtige Momente waren für Benkenstein die Zusammenarbeit mit Sängern wie dem von ihm verehrten Al Jarreau, dem Brasilianer João Bosco und dem Kubaner Omar Sosa. NDR-Jazzredakteur Stefan Gerdes lobt Benkensteins "majestätischen Trompetenstrahl als präzise, klar und groß mit einem unglaublich schönen Sound."
Doch dieser wuchtige Sound wird nie mehr auf der Bühne oder im Studio zu hören sein. Thorsten Benkenstein ist völlig überraschend im Alter von nur 57 Jahren in Hamburg gestorben. Der NDR und die Hamburger Jazz-Szene trauern um einen großartigen Musiker und reflektierten und sensiblen Menschen.